Einführung in das Werk von Zoë MacTaggart 2019
von Manfred Bolte M.A.

Guten Tag meine Damen und Herren.
Mein Name ist Manfred Bolte. Ich bin Sozialwissenschaftler und unterrichte an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Hildesheim und habe Kunstsoziologie in Hannover studiert. Ich habe schon früh die Werke von Zoe MacTaggert kennen und würdigen können und durfte 2017 zu Ihrer große Einzelausstellung in Hildesheim ebenfalls einführende Worte vortragen.

Heute wird hier im Kunstforum Land Wursten e.V. eine weitere große Einzelausstellung von Zoë MacTaggart eröffnet. Es handelt sich hierbei um eine Werkschau, zu den Themen „Starke Frauen“ und „Dancehall“. Das werde ich erläutern. Es werden verschiedene Schaffensperioden gezeigt und unterschiedliche malerische und performende Herangehensweisen. Ausgestellt sind 15 Acryl Gemälde, einige Zeichnungen und Aquarelle sowie eine Installation mit einem Mobile. Bisher in noch keiner anderen Ausstellung wurden die Styropor/Acryl Objekte gezeigt, die unter den Glaskolben zu sehen sind, auch das wird noch erläutert.

Ich habe meine Einführung mit folgenden Worten überschrieben:
„Zoe MacTaggert ist eine starke Frau, die zum Teil große Bilder malt, von ebenso starken Frauen, und lässt ihre Farben durch einen dargestellten Farbrausch teilweise in der 3. Dimension explodieren, wie z.B. in der Mobile-Installation“
Daraus ergeben sich zwei Fragen:
„Wie macht sie das?“ und
„Warum kann Sie das?“
1. Wie macht sie das? Ganz einfach: Sie weiß, was sie will, sie weiß, was sie kann und sie weiß immer, wie sie ihr Vorhaben, in einer bisher nie dagewesenen Form umsetzen kann. Durch das Durchbrechen von Farb- und Formenwelten in ihrer eigenen Bildsprache entsteht dann ein Effekt, der diese, hier zu erlebende Faszination ausmacht. (In jugendgemäßer Sprache übersetz wird für diesen Ausdruck des Staunens häufig „Wow“ oder „Bow“ gesagt, oder sogar „geil“ oder „fett“.

Aber wie macht sie das, ist die Frage? Technisch gesprochen lässt sich diese explodierende Farbrauscherfahrung dadurch erzeugen, das zu allen verwendeten Farben auch die komplementären Farben hinzugefügt werden. Man denke nur an den Farbkreis. Und glauben Sie mir, es fehlt keinem Bild die entsprechende komplementär-Komposition, das ist handwerkliches Können. Dadurch hat man das Gefühl, die Farben tanzen in einer harmonisch-spannungsgeladenen Weise. In der Mobile-Installation fliegen gewissermaßen die Farben aus dem Bild heraus. Und das sollen sie auch…

Warum kann Sie das? Zunächst sei festgestellt: Zoe McTaggert ist eine Ausnahmekünstlerin. Wenn ich sie nun als Ausnahmekünstlerin bezeichne, dann muss ich dies auch begründen:
Alle Bilder von Zoe McTaggert sind autobiographisch intendiert. Die Künstlerin malt Dinge, die sie etwas angeht, die sie betreffen, und dass in einer Leichtigkeit, die am besten mit Musik vergleichbar ist. Ihre Bilder, ihre Themen drängen aus ihr heraus, und sind auf diese Weise authentisch. Schon ein Blick in ihre Lebens- und Tätigkeitsdaten zeigt, dass Zoe McTaggert mit Ihren unterschiedlichen künstlerischen Aktivitäten jedes Genre sprengt. Das Malen, Tanzen, Performen, Reden, Radio machen, sich inszenieren, sind alles ihre Betätigungsfelder. In diesem Zusammenhang will ich auf das Buch von John Dewey, „Kunst als Erfahrung“ von 1934, hinweisen, der diesen Erfahrungsbegriff mit Kunst erstmals zusammenbringt.

Außerdem war Zoe McTaggert Meisterschülerin und befreundet mit der berühmten Maler- und Popart-Legende Andorra. Er hat eine Rakete bemalt, die dann in den Weltraum geschossen wurde, und war dadurch erster intergalaktische Künstler und Zoe seine Schülerin.

Nun zu Zoe McTaggert: Bemalte Raketen, bemalte Autos oder Roller, Computer, Videorekorder oder sonstige Alltagsgegenstände sind nicht ihre Angelegenheiten. Sie hat andere Themen. Sie malt starke Bilder von starken Frauen. Sie malt sie in so leuchtenden, in so farbgewaltigen und zum Teil in so riesengroßen Formaten, dass es unmöglich ist, sich der Konfrontation und Wirkung oder der Magie dieser Bilder zu entziehen. Ihre Frauen, die sie malt, sind auf eine besondere Weise präsent. Es ist unmöglich wegzugucken. Ihre Frauen auf den Bildern lassen den Betrachter, die Betrachterin nicht aus den Augen. Sie wollen konfrontieren, zum Teil provozieren und ziehen alle Blicke und Gedanken auf sich. Sofort stellt sich beim Betrachten ein innerer Dialog mit den Frauen auf den Bildern ein, sofort ist man mittendrin in einem besonderen Erlebnis- und Spannungsfeld. Zu diesem Spannungsfeldern gehören dann die jeweiligen Daseinsentwürfe, die persönlichen Assoziationen, die sich unmittelbar einstellen. Es tauchen eigene Zusammenhänge, Familienzusammenhänge auf, Bezüge zu Gruppen, zur Gesellschaft, zu den Rollen- und den Geschlechterdiskursen und letztlich zum Feminismus, und den Theorien, mit denen sich frau und oder man gerade beschäftigt.

Zoë MacTaggart ist als Ausnahmekünstlerin in gleichem Maße Malerin und Performerin. Indem Sie auch als Burlesque-Künstlerin auftritt und darin auch andere unterweist und animiert, kommt es dadurch zu außergewöhnlichen Inszenierungen. Diese bilden dann ihrerseits wieder die Grundlagen für besondere Posen, die dann in Bilder umgesetzt werden. Durch diese Auftritte als Tänzerin in Verbindung mit Seminaren und Workshops zur Burlesque-Kunst hat Zoe McTaggert das internationale Netzwerk von der „Dr. Sketchy’s Anti-Art School“ nach Hannover geholt. Dadurch konnte sich in Hannover eine Gegenbewegung zu den sonst „langweiligen“ Aktzeichenkursen bilden. Wem hierzu die Scene aus dem Film: „Werk ohne Autor“ von Florian Henkel von Donnersmark einfällt, weiß, was ich meine.

Zoe und das Radio
Zoe McTaggert moderiert seit vielen Jahren zusammen mit Ihrem Mann Thoben Noß die Musik-Sendung auf Radio 106,5 Leinehertz mit dem Titel: "Wha Gwaan - Reggae & Dancehall mit Frontyard international“. Dancehall ist ein weiterer Hintergrund, der den Subtext zu vielen Bildern von Zoe McTaggert darstellt. Ebenso eine Studienreise nach Gambia (Westafrika). Diese Hintergründe bilden den Erfahrungszusammenhang, der sich dann in einigen großformatigen Bildern erkennen lässt. Die mit Musik aufgeladenen Kompositionen, ziehen danndie Bildbetrachter in ihren Bann.
Zoë MacTaggart ist eine moderne Netzwerk-Künstler-Performerin, die Zugang zu unterschiedlichen Milieus, Systemen und Subkulturen hat. Dort findet sie ihre Anregungen und Modelle. Und das ist auch ihr Leben.

Um ihren feministischen Ansatz darzustellen, braucht es einen kurzen Ausflug in die Geschichte. In der Geschichte des Feminismus lassen sich zwei große Strömungen ausmachen. Zum einen geht es um einen bürgerlich orientierten Feminismus, der sich vornehmlich um eine rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung und um besondere Berücksichtigungen feministischerer Anliegen wie z.B. der Einrichtung von Frauenparkplätzen und einer Betonung der „naturgegebenen Rolle“ der Frau als Mutter in der Gesellschaft einsetzt.
Demgegenüber steht andererseits die Position der postmodernen Frauenbewegung. Diese ist in Kalifornien entstanden und bezieht sich weitestgehend auf das theoretische Genderkonzept von Judith Butler. Sie will mittels Dekonstruktion sowohl soziale als auch biologische Rollenausdifferenzierungen möglichst überwinden und zu einem neuen „ethischen Geschlecht“ kommen. Die Form der Emanzipation soll mit den Mitteln des eigenen Lebens, den eigenen Erfahrungen und den eigenen künstlerischen performativen Möglichkeiten Formen finden. Auf dieser Grundlage sollen sich dann Veränderungen ergeben. Hierzu ist nahezu jedes Mittel recht, ob diese durch den Einsatz von Malerei, Film, Fotografie, Tanz oder anderen Arten der Inszenierung erreicht werden, ist unerheblich. Entscheidend ist, dass Selbsterfahrungen und Selbstverwirklichungen zu Veränderungen beitragen.

Zoë MacTaggart ist fasziniert von den Frauen und ihren Bewegungen, die z.B. durch unterschiedlichste Musik hervorgebracht werden kann. Daraus entstehen zunächst Skizzen, die dann im Atelier zu den großen energiegeladen und farblich explodierenden Gemälden, wie oben beschrieben.

Sie finden nun bei dieser Ausstellung Bilder, die durch das Tanzen und die Aufführung von Burlesque entstanden sind, und eben Tanzbilder mit Darstellungen von Tänzerinnen aus der beschriebenen Dancehall-Szene. Dieses Genre hat sich als Nachfolger des Reggaes aus Jamaika entwickelt, wo Musik und Tanz kulturell eine wesentliche Rolle auch im Alltag spielen. Man darf sich diese Tänze als sehr wild, lebensfroh und energiereich vorstellen. Die sich daraus entwickelnden Tanzfiguren sind einerseits sehr eigenständig und anderseits auch performativ und emanzipativ zu nennen. Darin kommen, nach Ansicht von Zoë MacTaggart, sowohl die geschlechterspezifische Sozialisierung zum Ausdruck, die historisch unbedingt im Zusammenhang mit Kolonialismus und Sklaverei zu sehen ist, als auch die Auseinandersetzung zwischen Männern und Frauen um soziale Macht und Ressourcen. Diese intendierten Auseinandersetzungen werden ebenfalls in dieser Dancehall-Kultur ausgetragen und finden ihren Niederschlag in den großartigen Bildern in dieser Ausstellung.

Andere Bilder lassen sich der Kategorie „Charismatische Persönlichkeiten“ zuordnen. So z.B. die Bilder Glimmer Sisters von 2016 und Curtain von 2019, ebenso das Coverbild von der Einladung.
Auch die charismatische Sängerin Jaqee gehört in diese Rubrik. Sie flüchtete als junges Mädchen mit ihrer Mutter aus Uganda nach Schweden. Wenn sie nicht gerade durch die Welt tourt, lebt sie inzwischen als Sängerin mit ihrer kleinen Familie in Berlin. Dort hat Zoë MacTaggart sie besucht, als Jaqee gerade mit ihrem zweiten Kind hochschwanger war.
Überregionale Aufmerksamkeit wurde Zoë MacTaggart auch durch ihre Arbeit mit sudanesischen Flüchtlingen zuteil. Neben ehrenamtlichem Deutschunterricht fertigte sie auch Zeichnungen des Camplebens und seiner Bewohner 2016 in Hannover an.
Für Zoë MacTaggart sind Begriffe wie Freiheit, Emanzipation, Macht, Glück, Möglichkeiten der Selbst- und Fremddarstellung, Wünsche, Werte und alle Formen der Auseinandersetzung sehr wichtig. Sie zeigt uns in ihren Bildern selbstbewusste, freiheitsliebende Frauen mit einer ausgeprägten Haltung oder Attitüde und stellt diese in den Mittelpunkt all ihrer Arbeiten.

Die Ausstellung trägt den Namen „Dweet“. „Dwett“ meint: „Do it“ und zielt auf den Erfahrungsbegriff ab. Kunst als Erfahrung im Sinne von John Dewey, ist für Zoe McTaggert genau diese Erlebniswelt die sich in der Umsetzung in ihren Bildern zeigt. „Dwett“ meint genau diesen Prozess. Ungemalte Bilder stellen in diesem Zusammenhang die Antithese von „Do it“ im Sinne von „not done“ dar. Nichtgemalte Bilder sind weder Ausstellbar, noch Betrachtbar und schon gar nicht verkaufbar.

Der Titel „Dwett“ ist sicher auch wieder mit dem Zoe’schen „Augenzwinkern“ zu verstehen. Denn das „Augenzwinkern“ durchzieht ihre gesamten Arbeiten und vielleicht sogar ihr ganzes Leben.
 
Mit diesem Motto möchte ich Sie nun auffordern, sich diese sehr gelungene Ausstellung nochmals anzuschauen. Vielen Dank

(Eröffnungsrede im Kulturforum Land Wursten e.V. in Dorum am 16. Juni 2019)

Die gesamte Broschüre ist im Fach-Werk-Minden e.V. über
Herrn Stockmann erhältlich.

 

 

 

Mein Beitrag zur Festschrift Bundestreffen 2018

 

 

 

Philosophische Wanderung 2

Bei dieser zweiten philosophischen Wanderung steht die Erfahrung von unterschiedlichen Räumen im Vordergrund. Außen- und Innenräume sollen mit einer philosophisch geleiteten Methode im Stadt- und stadtnahen Bereich aufgesucht, erkundet und reflektiert werden, um einem "Sein im Raum" (wie es bei Heidegger heißt) näher kommen zu können. 9.6.2018 14.00 bis 18.00 Uhr mit anschließendem Restaurantbesuch. Anmeldung über die VHS-Hildesheim.

19.01.2018 Die Dampfmaschine  (Für das Video bitte das Bild anklicken)

14.12.2017 Der Kunst-Kios der HAWK verkauft Grafiken zu Weihnachten. Ich habe zugeschlagen......

Harmlos - Siebdruck von Verena Stürzebecher, unsigniert 2017

Tour de rapé, Siebdruck Maimilian Kleinau 6/11signiert 2017

13.12.2017 Objekt im Kunstraum Gym. Alfeld (vermutlich eine Schülerarbeit ohne Namen, ohne Jahr)

7.-9.12.2017 Uni Hildesheim  Erste Bachelard Tagung in Deutschland

06.12.2017 Eine Zeichnung von Tristan, Rechteinhaber M. Bolte 12/17 und ein unbekannter Skizzenfund

03.12.2017 Goslar Kaiserringträgerinnen 2017  Isa Genzken und Stipendiatin 2017 Stella Förster

30.11.2017 Die Philatelie staunt, gibt es eine neue "Rote Mauritius" ? Hier ein Unikat, Aufl. 1 (unverkäufl.)

(A.T.)

30.11.2017 Es stehen noch einige Klassenarbeiten an. Die sprachliche Verfremdung geht wesentlich auf Manuel zurück, war aber ein Gemeinschaftsprojekt. (M.B.)

29.11.2017 Impressionen aus dem Kunstraum des Gymnasiums Alfeld 

 

 

 

 

 

 

 

26.11.2017
15. GEBURTSTAG der Galerie im Stammelbachspeich und Finissage der BBK-Jahresausstellung
Der Katalog mit meinem Text ist fertig.

21.11.2017 SPAX Vortrag in  Hannover im  fiph (Forschungsinstitut für Philosophie Hannover)

Audio Vortrag von Spax, Einleitung Prof. Dr. Jürgen Manemann

 

 

 

Karte ist vom Rapper SPAX  bei der Veranstallung am 21.11.17 signiert. Danke M.B.

 

19.11.2017 Besuch Schloss Derneburg

http://www.hallartfoundation.org/de/location/schloss-derneburg

http://www.hallartfoundation.org/de/    Das war zu sehen....

GeoGebra-Kunst von Oskar, Rechteinhaber Manfred Bolte 11/2017

29.10.2017 BBK Ausstellung im Stammelbach-Speicher in Hildesheim 2017

Künstlergespräch mit Bernward Herkenrath (r.) im Stammelbach, in der oberen Etage

29.10.2017 Mit dem Trecker unterwegs nach Ahstedt.  (Ein Filmzitat zu David Lynch's Straight Story)

26.10.2017 Material zum Diskurs "Fresse" (Auszüge aus dem Internet)

25.10.2017 Rapper trifft Professor im Domfoyerer. Ein außergewöhnlicher Vortrag. In der Ankündigung heißt es: Es diskutieren der Rapper Spax und der Hildesheimer Professor Rolf Elberfeld bei dieser neuen Veranstaltungsreihe „WortRaum“ im Dommuseum Hildesheim. Ein Rapper und ein Professor diskutieren im Foyer des Hildesheimer Doms. Der Hannoveraner Rapper Spax und der Wissenschaftler Rolf Elberfeld vom Institut für Philosophie der Universität Hildesheim sprechen über Sprachwerdung und Wortergreifung. Das Gespräch bildet den Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe „WortRaum“, die das Dommuseum Hildesheim gemeinsam mit dem Forschungsinstitut für Philosophie in Hannover ausrichtet. In der Reihe werden grundlegende Fragen des menschlichen Lebens und der Gestaltung unserer Zukunft behandelt. Diskutiert werden philosophisch-theologische Themen, die Selbstfindung und Selbstverständnis des Menschen in den Mittelpunkt stellen.

 

21.09.2017  Ein Tanz, dargestellt nach einer Idee von Paula

Vernissage Beiße & McTaggart in der Galerie Stammelbach

Foto: Peter Brunnert

Weitere Links:
https://www.facebook.com/search/top/?q=galerie%20im%20stammelbach-speicher
und
https://www.flickr.com/photos/peter-brunnert/sets/72157688850706365/

Link der Künstlerin Zoë MacTaggert:  https://www.zoemactaggart.com/

Einführung in das Werk von Zoë MacTaggert,
Rede, gehalten von Manfred Bolte am 10.9.2017
Link über Youtube hier:   
https://youtu.be/sWrBf2iI7MQ

Einführung in das Werk von Zoë MacTaggart 2017
von Manfred Bolte M.A.

Heute wird hier in der Galerie im Stammelbach-Speicher eine Einzelausstellung von Zoë MacTaggart eröffnet. Es handelt sich dabei um eine Werkschau, die einen Überblick über unterschiedliche Themen- und Schaffensperioden geben soll.

Als ich neulich am Bahnhof die Philosophie Zeitschrift „Hohe Luft“ Nr. 5 kaufte, stieß ich in ihr auf einen Artikel zum Thema „ethisches Geschlecht“. Dort hieß es: Der Mann und mit ihm die Männlichkeit sind in der Krise. Der traditionelle Mann ist ein Auslaufmodell. Was ist das überhaupt: Männlichkeit? Oder ist die Geschlechterfrage falsch gestellt? Die Ursachen liegen, so heißt es, im Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft, im Aussterben von klassischen männlichen Berufsbildern; in der zunehmenden rechtlichen und ökonomischen Gleichberechtigung; in der Verunsicherung angesichts eines medial gehypten Popfeminismus; dem Wegbrechen traditioneller Familienformen mit dem Mann als »Oberhaupt«.

Für diese „Krise des Mannes interessiert sich Zoë „nicht die Bohne“, oder genauer gesagt: „fast nicht“. Sie hat andere Themen. Sie malt Frauen und zwar in so leuchtenden, in so farbgewaltigen und zum Teil in so riesengroßen Formaten, dass es unmöglich ist, sich der Konfrontation und Wirkung oder der Magie ihrer Bilder zu entziehen. Ihre Frauen sind präsent. Es ist unmöglich wegzugucken. Sie lassen den Betrachter nicht aus den Augen. Sie wollen konfrontieren, zum Teil provozieren und ziehen alle Blicke und Gedanken auf sich. Sofort stellt sich mir beim Betrachten ein innerer Dialog mit den dargestellten Frauen auf den Bildern ein und ich bin mittendrin in einem eigentümlichen Erlebnis- und Spannungsfeld. Zu dem gehören die Familie, die Gruppe, die Gesellschaft, die Rollen- und Geschlechterdiskurse und der Feminismus.

Zoë MacTaggart ist eine Vollblut-Malerin. Ihr „Künstler sein“ beschränkt sich aber nicht auf das Malen. Sie hat Auftritte als Tänzerin gehabt, Seminare und Workshops zur Burlesque-Kunst gegeben und hat das internationale Netzwerk von der „Dr. Sketchy’s Anti-Art School“ als Gegenbewegung zu langweiligen Aktzeichenkursen nach Hannover geholt. Sie moderiert seit vielen Jahre die Musik-Sendung auf Radio 106,5 Leinehertz mit dem Titel: "Wha Gwaan - Reggae & Dancehall mit Frontyard international“. Ihre Studienreisen nach Gambia (Westafrika) haben nachhaltige Wirkung auf sie gehabt.

Zoë MacTaggart ist eine moderne Netzwerk-Künstler-Performerin, die Zugang zu unterschiedlichen Milieus, Systemen und Subkulturen hat. Dort findet sie ihre Anregungen und ihre Modelle. Das ist auch ihr Leben.

Um ihren feministischen Ansatz darzustellen, braucht es einen kurzen Ausflug in die Geschichte. In der Geschichte des Feminismus lassen sich zwei große Strömungen ausmachen. Zum einen geht es um einen bürgerlich orientierten Feminismus, der sich vornehmlich um eine rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung und um besondere Berücksichtigungen feministischerer Anliegen wie z.B. der Einrichtung von Frauenparkplätzen und einer Betonung der „naturgegebenen Rolle“ der Frau als Mutter in der Gesellschaft einsetzt.

Demgegenüber steht andererseits die Position der postmodernen Frauenbewegung. Diese ist in Kalifornien entstanden und bezieht sich weitestgehend auf das theoretische Genderkonzept von Judith Butler. Sie will mittels Dekonstruktion sowohl soziale als auch biologische Rollenausdifferenzierungen möglichst überwinden und zu einem neuen „ethischen Geschlecht“ kommen. Die Form der Emanzipation soll mit den Mitteln des eigenen Lebens, den eigenen Erfahrungen und den eigenen künstlerischen performativen Möglichkeiten Formen finden. Auf dieser Grundlage sollen sich dann Veränderungen ergeben. Hierzu ist nahezu jedes Mittel Recht, ob diese durch den Einsatz von Malerei, Film, Fotografie, Tanz oder anderen Arten der Inszenierung erreicht werden, ist unerheblich. Entscheidend ist, dass Selbsterfahrungen und Selbstverwirklichungen zu Veränderungen beitragen.

Zoë MacTaggart ist fasziniert von den Frauen und ihren Bewegungen, die bei ihnen zur Selbstverständlichkeit geworden sind. Daraus entstehen zunächst Skizzen, die dann im Atelier zu den großen energiegeladen und farblich fast explodierenden Gemälden werden.

Bei dieser Ausstellung gibt es neben den Bildern, die durch das Tanzen und die Aufführung von Burlesque entstanden sind, Tanzbilder mit Darstellungen von Tänzerinnen aus der Dancehall-Szene. Dieses Genre hat sich als Nachfolger des Reggaes aus Jamaika entwickelt, wo Musik und Tanz kulturell eine wesentliche Rolle auch im Alltag spielen. Man darf sich diese Tänze als sehr wild, lebensfroh und energiereich vorstellen. Darin kommen, nach Ansicht von Zoë MacTaggart, sowohl die geschlechterspezifische Sozialisierung zum Ausdruck, die historisch unbedingt im Zusammenhang mit Kolonialismus und Sklaverei zu sehen ist, als auch die Auseinandersetzung zwischen Männern und Frauen um soziale Macht und Ressourcen. Diese Auseinandersetzungen werden ebenfalls in der Dancehall-Kultur ausgetragen.

Einige Bilder lassen sich der Kategorie „Charismatische Persönlichkeiten“ zuordnen. Hierzu zählt das Bild „Gardening Josephine“, dass die private Josephine Baker zeigt, die ihre Pflanzen gießt. Josephine Baker war eine, besonders in Frankreich gefeierte, afroamerikanische Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin. Entsetzt von den Rassenvorurteilen, die ihr in ihrer Heimat, den USA, entgegenschlugen, nahm sie 1937 die französische Staatsangehörigkeit an. Sie protestierte auf ungewöhnliche Weise gegen Rassismus, indem sie 12 Kinder unterschiedlicher Hautfarben adoptierte.

Auch die charismatische Sängerin Jaqee gehört in diese Rubrik. Sie flüchtete als junges Mädchen mit ihrer Mutter aus Uganda nach Schweden. Wenn sie nicht gerade durch die Welt tourt, lebt sie inzwischen als Sängerin mit ihrer kleinen Familie in Berlin. Dort hat Zoë MacTaggart sie besucht, als Jaqee gerade mit ihrem zweiten Kind hochschwanger war. Die Idee zu dem Gemälde „Green Wig“ (Perücke) entstand bei diesem Besuch in Berlin.

Auch das Bild „Hungry Lobster“ ist mühelos unter die charismatischen Persönlichkeiten einzuordnen. Es handelt sich um ein Selbstportrait von Zoë.

Ein weiterer Themenschwerpunkt ist „Sisterhood“. Er befasst sich mit Schwestern, bzw. Schwesternpaaren. Im übertragenen Sinn geht es um Frauen, die sich gegenseitig unterstützen. Schwestern oder Sisterhood glaubt an die Kraft ihrer Gemeinschaft. Sie sind füreinander da und ermutigen und helfen sich. Zoë hat selbst noch zwei jüngere Schwestern. Auf den Bildern „Foresters“ und „A litte Help“ sind sie zu finden.

Überregionale Aufmerksamkeit wurde Zoë MacTaggart auch durch ihre Arbeit mit sudanesischen Flüchtlingen zuteil. Neben ehrenamtlichem Deutschunterricht fertigte sie auch Zeichnungen des Camplebens und seiner Bewohner in Hannover an.

Für Zoë MacTaggart sind Begriffe wie Freiheit, Emanzipation, Macht, Glück, Möglichkeiten der Selbst- und Fremddarstellung, Wünsche, Werte und alle Formen der Auseinandersetzung sehr wichtig. Sie zeigt uns in ihren Bildern selbstbewusste, freiheitsliebende Frauen mit einer ausgeprägten Haltung oder Attitüde und stellt diese in den Mittelpunkt all ihrer Arbeiten.

Die Ausstellung trägt den Namen „Shebang“. „Shebang“ meint den alltäglichen Kram, der in der Erlebniswelt einer Künstlerin bewältigt werden muss, auch wenn es „nur“ um den täglichen Kampf mit den zugeschriebenen Geschlechterrollen geht. Dieser Titel ist sicher auch mit einem „Augenzwinkern“ zu verstehen. Das „Augenzwinkern“ durchzieht ihre gesamten Arbeiten und vielleicht sogar ihr ganzes Leben.

 (Eröffnungsrede in der Galerie im Stammelbach-Speicher am 10. September 2017)

 

24.08.17 Das neue Fortbildungsprogramm der A.W.B.E. ist erschienen. Siehe S. 68

http://www.aewb-nds.de/fortbildung/fortbildungsprogramm/

Erwerb von Karten im Raum 316

Dr.A.Wünsche, Land und Leben Serie 5, Deutsches Land No. 1, signiert R. Hellgrewe o.J.

4.8.2017

An diesem Brief, der in den ersten zwei Schulstunden entstanden ist,  habe ich heute die Rechte erhalten. Das darin beschriebene "Glozometer" beschreibt einen nonverbalen subjektiven Indikator für verschiedenen unterscheidbare emotional geleiteten Eskalationsstufen (nach Glaserl ), dort im Label 1-3. Das "Glozometer" taucht bisher in der Konfliktforschung noch nicht auf und geht auf einen Schüler zurück. (M.B.)

3.8.2017 Der neue Stundenplan                                                            Do Deutsch   Tausch    Fr. Mathe


Link: Zeichnungen und Werke aus dem Kunstunterricht Kl 6s  

Hildesheimer Allgemeine (HAZ) vom 3. Juni 2017 S. 9

 

23. Mai 17 Auf nach #Alfeld, das Wetter ist gut...

18. Mai 2017   Nikita Dhawan (Innsbruck):
What Difference does Difference make?
Intersectionality, Diversity and Transnational Feminist Politics im Philosophisches Kolloquium der Uni Hildesheim

23.4.2017
Nun ist es soweit.

Die Druckerei Rauer aus Bockenem hat nun den zweiten Band der Philosophischen Wanderungen von Ulrich Stockmann aus Bückeburg fertiggestellt und ausgeliefert. Zu diesem Anlaß hat Stocky in Ahstedt aus seinem Werk einige der 12 Reflexionspfade vorgetragen. Dazu hat es Sekt und Applaus gegeben.

Der Fürst

Heft 2 

18.04.2017
Theaterhaus Hildesheim 20.00 Uhr   cobragianni.cobra
Wir waren dabei.....
Hier die Ankündigung des Theaterhaus Hildesheim

Ein bisschen mehr muss man schon sehen oder:
Wie ich mich in einen Schmetterling verwandelte

Zwei männliche Körper und eine glitzernde Zaubersauna üben sich mit Schweiß und Haar an der Unterwanderung der eigenen Geschlechter-Bilder. In der gängigen Akt-Fotografie stehen weibliche Körper einer männlichen Betrachtung zur Verfügung. Nackte Männerkörper folgen hingegen zumeist einer Idee der männlichen Selbsterbauung. Auch die Werbefotografie führt ein hartes Regime sich immer wiederholender, eindeutiger Abbildungen geschlechtlicher Körper. Sanfte Frauen, harte Männer, offene Münder, gespannte Muskeln, Verfügbarkeit und Verfügungsmacht. Aber was ändert sich, wenn ein männlicher Körper eine weibliche Pose einnimmt? Kann ein anderer Blickwinkel das Geschlecht des betrachteten Körpers unterlaufen? Welche Ideen von Mensch, Körper und Zusammenleben lassen sich erreichen, wenn die Körper durch Licht und Kostüm bis zur Unkenntlichkeit verändert werden? Eine fließende Montage von sich ständig verändernden, widersprechenden Körperbildern in Bewegung, Pose, Handlung und Stillstand. Konzept und Performance: Dennis Dieter Kopp, Manuel Melzer | Dramaturgie: Isabel Schwenk | Bodysuits: Gesine Hansen (Quelle: ankündigungstest Theaterhaus Hildesheim)

Ostern 2017  Besuch aus Berlin

Osterbesuch